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Ein Styleguide muss her – jetzt! 7 gute Gründe dafür

Zu jedem Projekt, bei dem ein visuelles Interface involviert ist, gehört ein Styleguide – das ist nichts Neues. Trotzdem zeigt mir mein Alltag, dass die Existenz eines guten Styleguides keine Selbstverständlichkeit ist.

Das Fehlen eines aktuellen Styleguides hat seine Gründe. Es gibt Produkte, die ohne implizites Interface-Design entstanden sind, Projekte bei denen verschiedene Designer zu unterschiedlichen Zeitpunkten involviert waren, Projekte bei denen erst spät ein Designer beigezogen wird, oder Produkte die sich nach dem Designvorschlag noch so stark weiterentwickelt haben, so dass der ursprüngliche Styleguide nicht mehr aktuell ist.

So oder so halte ich es für unerlässlich einen Styleguide zu fordern – oder die Zeit dafür, selbst einen zu erstellen. Folgend 7 gute Gründe dafür.

1.) Qualitätskontrolle als Abschluss der Designphase 

Die erste Version eines Styleguides erstelle ich normalerweise zum Abschluss der Designphase. Das ist eine gute Arbeit, um nochmals alle Elemente zusammenzufassen, Inkonsistenzen ausfindig zu machen und das Design auszubessern. Beim Zusammentragen wird auch sichtbar, ob noch Elemente fehlen. Bei mir fehlen mal einzelne Zustände wie zum Beispiel Hover-Effekte von Elementen oder Fehlermeldungen. Auch die Headlinegrössen sind in meinen ersten Entwürfen selten perfekt gewählt. Durch das Zusammentragen aller Schriftgrössen wird sichtbar, ob diese in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen und mögliche Unschönheiten können korrigiert werden.

2.) Macht Inkonsistenzen sichtbar 

Gerade bei einem bestehenden Produkt, wo schon ein Design existiert, ist nur schon das Erstellen eines Styleguides eine wertvolle Arbeit. Es ermöglicht eine Übersicht zu bestehenden Elementen, wodurch das ganze Design-System sichtbar wird. Das ermöglicht, vor allem bei komplexeren Produkten, Inkonsistenzen aufzudecken. Gibt es doppelte Elemente, die unterschiedlich gestaltet sind? Oder gleiche Elemente, die sich unterschiedlich verhalten? Erst durch einen Styleguide wird das Ausmass von Verbesserungspotenzial sichtbar und der Aufwand zur möglichen Verbesserung kann realistisch abgeschätzt werden.

3.) Unterstützt die Kommunikation im Projektteam

Ein Styleguide ist mehr als ein weiteres Projektdokument. Er unterstützt die Kommunikation im ganzen Projektteam. Jedes Teammitglied, ob Entwickler, Projektleiter, Designer oder Kunde hat durch einen Styleguide Zugang zum aktuellen Designstand und kann eigene Entscheide daraus ableiten. Dies erübrigt unnötige Rückfragen an den Designer und schafft Zeit für effektive Aufgaben. Ebenfalls werden im Styleguide Entscheide dokumentiert, was schlussendlich Klarheit und Verbindlichkeit im ganzen Team schafft.

Bei grösseren Projektteams, häufigem Personalwechsel oder orts- wie auch zeitlich verschobenen Teams ist ein Styleguide umso wichtiger.

4.) Beschleunigt Prozess

Ein Styleguide ist wie ein Baukasten. Beim Konzipieren kann schnell auf bestehende Design-Patterns zurückgegriffen werden. Zügig können neue Seiten und Funktionalitäten durch Kopieren und Zusammensetzen entworfen werden. Dies spart Zeit bei der Konzeption, aber auch bei der technischen Umsetzung. Ein Styleguide beschleunigt den Prozess, auch weil er Arbeitsschritte sicherer macht. Es kann schneller und verbindlicher entschieden werden, ob auf bestehende Design-Patterns zurückgegriffen werden soll oder ob das Design ergänzender Patterns erfordert wird.

5.) Verhindert redundante Arbeiten 

Umgekehrt kann es passieren, dass ohne einen Styleguide redundante Patterns entworfen wie auch entwickelt werden. Der Aufwand, in bestehender Software, an der in parallelen Streams oder auch in agilen Sprints gearbeitet wird, Patterns wieder zu vereinheitlichen ist enorm. Die Konsolidierung bereits im Design vorzunehmen und nicht erst in der gebauten Software, sollte nachträglicher intensiver Arbeit am Live-System vorbeugen. Zudem wollen Entwickler tendenziell schon lieber Features bauen als Pixels schieben.

6.) Schafft längerfristig eine Designrichtung

Ein Styleguide hält die Grundideen der Gestaltung fest und ermöglicht es, dass mehrere Designer gleichzeitig an einem Produkt arbeiten können. Oder eben auch, dass ein Produkt zu einem späteren Zeitpunkt von einem anderen Designer weitergeführt werden kann, ohne dass der Grundgedanke verloren geht. Auch bei einem Redesign des Produktes schafft ein bestehender Styleguide eine super Ausgangslage.

7.) Schafft Konsistenz und zufriedenere Nutzer 

Ein Styleguide schafft im Grossen und Ganzen mehr Konsistenz im Produkt und stellt ein einheitliches Erscheinungsbild sicher. Ohne Konsistenz wirkt ein Produkt schnell unordentlich und unprofessionell. Gibt es Patterns, die ähnlich aussehen aber unterschiedlich funktionieren, stiftet das beim Nutzer Verwirrung. Durch extreme Inkonsistenz kann es passieren, dass der Nutzer das Gefühl hat, sich in verschiedenen Applikationen zu befinden, was einen negativen Einfluss auf die gesamte User Experience hat.

Ein Styleguide ist also nicht nur ein Artefakt für die Designer, sondern schafft Mehrwert für das ganze Team und darüber hinaus. Er leistet seinen Beitrag zu zufriedeneren Nutzern und damit auch zu einem zufriedeneren Kunden – die Zeit, die man in einen Styleguide investiert zahlt sich in jedem Fall aus!

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