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Was, wenn deine grösste Stärke noch ein blinder Fleck ist?

Kennst du das? Du erledigst eine Aufgabe effizient und fehlerfrei, erntest Lob von allen Seiten und fühlst dich am Ende des Tages trotzdem komplett leer? Vielleicht liegt es daran, dass du oft das, was du gut kannst, mit dem verwechselst, was dich wirklich antreibt.

In der neusten Folge unseres Podcasts «Science and Art of Experience Design» sprechen Stefan und Susanne mit Sabrina Fiechter, CliftonStrengths Coach und Gründerin von Talentsoul, über Persönlichkeitsentwicklung, blinde Flecken und die Kraft, die entsteht, wenn du anfängst, mit deinen eigenen Stärken zu arbeiten.

Stärken versus Kompetenzen: ein entscheidender Unterschied

Einer der zentralen Punkte des Gesprächs: Deine Stärken und Kompetenzen sind nicht dasselbe. Eine Stärke ist etwas, das dich von innen heraus motiviert. Eine Kompetenz hingegen ist etwas, das du gelernt hast. Der Unterschied scheint klein, hat aber grosse Konsequenzen für deinen Alltag.

Sabrina Fiechter illustriert das mit einem konkreten Beispiel aus ihrer Beratung: Ein Mitarbeiter erstellte jahrelang perfekte Excel-Auswertungen. Alle im Team waren überzeugt, dass ihm die Arbeit liegt, schliesslich machte er sie gut und zuverlässig. Was niemand wusste: Er hasste es. Er hatte sich nie getraut, das anzusprechen, weil die positive Rückmeldung von aussen so konstant war. Erst ein Gespräch im Rahmen einer stärkenorientierten Beratung brachte die Wahrheit ans Licht.

Solche Situationen sind keine Ausnahme. Sie sind, wie Sabrina es nennt, «fast ein Hauptfall».

Das CliftonStrengths-Assessment als Ausgangspunkt

Für ihre Arbeit setzt Sabrina Fiechter auf das CliftonStrengths-Assessment von Gallup – ein Fragebogen, den du in etwa 40 Minuten ausfüllst und der dir danach deine 34 Stärken in einer individuellen Rangliste ausgibt. Stärken wie Empathie, Zukunftsorientierung, analytisches Denken, Verantwortungsgefühl oder Tatkraft werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern in ihrer Wechselwirkung.

Doch der Report allein ist nur der Startschuss. Erst in der professionellen Beratung, im Austausch mit einer Expertin, die Dynamiken zwischen deinen Stärken erkennt und benennen kann, entfaltet das Assessment seine eigentliche Wirkung.

Wenn du zum Beispiel «Tatkraft» und «Höchstleistung» als Top-Stärken hast, wirst du diese Kombination im Alltag deutlich spüren. Dein Drang, sofort anzufangen, trifft auf deinen Anspruch, alles perfekt zu machen. Beide Stärken treiben sich gegenseitig an – was dich motivieren kann, aber auch zur Erschöpfung führt, wenn du nicht lernst, bewusst gegenzusteuern.

Jede Stärken hat zwei Seiten

Ein zentrales Prinzip des stärkenbasierten Ansatzes: Es gibt keine Stärke ohne Schattenseite. Wenn du ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl hast, hältst du Versprechen zuverlässig ein und kommunizierst proaktiv, wenn etwas nicht klappt. Die Kehrseite: Nein zu sagen fällt dir schwer. Das Gefühl, für alles verantwortlich zu sein, kann dich belasten.

Das Ziel ist deshalb nicht, Schwächen wegzutrainieren. Es geht darum, mehr Balance zu finden und die eigenen Muster so gut zu kennen, dass man bewusst damit umgehen kann.

Selbstbild und Fremdbild

Ein weiterer Aspekt, der im Gespräch zur Sprache kommt: die Diskrepanz zwischen dem, wie du dich selbst siehst und dem, wie dich andere wahrnehmen. Diese Lücke ist oft grösser als erwartet und kann in beide Richtungen überraschen.

Vielleicht lehnst du eine Stärke zunächst ab, weil du dich nicht sofort damit identifizieren kannst. Oder du erfährst es als echte Erleichterung, wenn schwarz auf weiss steht, was du schon immer gespürt hast. Das Aufdecken dieser blinden Flecken ist das, was Sabrina an ihrer Beratung am meisten fasziniert.

Stärken in Teams aufdecken

Besonders wirkungsvoll wird der Stärkenansatz in der Teamarbeit. Sabrina Fiechter setzt in ihren Workshops auf gezielten Austausch: Personen mit ähnlichen Stärkenprofilen kommen zusammen, aber auch solche mit ganz unterschiedlichen Profilen.

Unternehmen, die für eine Beratung auf sie zukommen, haben oft konkrete Auslöser: ein neues Team, das zusammenwachsen soll, Kommunikationsprobleme oder Konflikte, die schon länger schwelen. Das CliftonStrengths-Assessment dient dabei nicht als Patentlösung, sondern als gemeinsame Sprache und als Startpunkt für echte Gespräche.

Wichtig ist: Was der Workshop aufdeckt, braucht Zeit. Ein tief verwurzelter Konflikt löst sich nicht in wenigen Stunden. Sabrinas Ziel ist es, Teams so schnell wie möglich in die Lage zu versetzen, selbst weiterzuarbeiten.

Deine Stärken entwickeln

Verändern sich deine Stärken im Laufe des Lebens? Laut Gallup-Forschung sind sie relativ stabil. In der Praxis beobachtet Sabrina Fiechter jedoch Verschiebungen – insbesondere wenn du aktiv an dir arbeitest, einschneidende Erlebnisse hast oder deinen Berufsweg grundlegend änderst. Was sich kaum je verändert: Deine untersten Stärken auf der Rangliste werden nicht plötzlich zu Top-Stärken.

Was sich aber sehr wohl verändert, ist deine Wahrnehmung. Stärken, die du früh im Leben nicht als solche erkannt hast, treten mit zunehmender Erfahrung deutlicher hervor. Sabrina hat beispielsweise ihre Freude daran Zusammenhänge schnell zu erkennen, erst spät als ihre persönliche Stärke begriffen.

Fazit: Wer sich selbst versteht, arbeitet bewusster

Dich mit deinen eigenen Stärken zu befassen, ist erst mal ein Stück Arbeit. Es braucht Ehrlichkeit und die Bereitschaft, auch mal unbequeme Fragen zuzulassen. Aber wenn du diesen Weg gehst, gewinnst du ein klareres Selbstbild und kommunizierst in deinem Team deutlich souveräner. Eine professionelle Beratung kann dir dabei helfen, diese Potenziale voll auszuschöpfen.

Hör doch mal rein und finde heraus, welche Antreiber bei dir im Hintergrund wirken:

Ein kleiner Impuls für dich: Welche Aufgaben erledigst du zwar super, aber sie rauben dir eigentlich nur Energie? Das ist oft dein erster Hinweis auf eine Kompetenz, die keine Stärke ist. Schreib uns dazu gerne deine Erfahrungen!

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